Don’t work with A**holes. Oder warum weniger Geld manchmal besser ist.

Nicolas Kittner
3 min readMar 16, 2023

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Stell dir vor, du verhandelst dein Gehalt mit deiner neuen Arbeitgeberin. Sie sagt: “Wir zahlen Ihnen 100.000 Euro. Was meinen Sie?” Daraufhin du: “Ich habe einen besseren Vorschlag: 40.000 Euro.”

Das habe ich letzte Woche gemacht. Es ging nicht um mein Gehalt, sondern um die Rahmenbedingungen eines gemeinsamen Projektes. Mein Gegenüber machte einen Vorschlag, ich machte einen Gegenvorschlag. Aber mein Gegenvorschlag war finanziell schlechter für mich. Sehr viel schlechter.

Warum um alles in der Welt habe ich das gemacht? Ganz einfach (aber vielleicht etwas seltsam): es fühlte sich besser an. Mein Vorschlag war für beide Seiten fair, er war kooperativ und er teilte sowohl Risiko als auch Gewinn gleichmäßig auf. Mein Vorschlag fühlte sich gut an.

Wenn wir über Business sprechen, geht es meist um Zahlen — und nicht ums Gefühl. Wir wollen quantifizieren, das Maximum herausholen, Verhandlungen mit einem hohen Preis “ankern”.

Gefühle und Geldverdienen scheinen sich auszuschließen. So wie Geld oder Liebe in der neunzigerjahre TV-Show mit Jürgen von der Lippe (die Älteren hier wissen was ich meine).

Aber ist das so? Ich bin Unternehmer und Kapitalist. Ich mag Zahlen, ich finde Umsatz ziemlich gut und ich liebe Gewinn.

Aber ich glaube eben auch fest daran, dass unser geschäftliches Handeln einen moralischen Kompass haben sollte. Wenn wir immer nur nach dem finanziellen Maximum streben, dann hat das langfristig verheerende Konsequenzen: wir zerstören Vertrauen, stellen zwischenmenschliche Beziehungen auf die Probe, bereichern uns auf Kosten anderer und — das sieht man zur Zeit besonders deutlich — zerstören unseren Planeten.

Wir kritisieren DAX Konzerne für die Unterstützung beim Bau von Kohlekraftwerken. Wir hinterfragen das Gebaren von Private Equity Unternehmen, die in zweifelhafte Firmen investieren. Wir sind empört, wenn Vorstände massenhaft Menschen entlassen.

Aber sind wir selbst bereit, Geld liegen zu lassen, weil sich ein Deal nicht richtig anfühlt? Wollen wir auf den Umsatz verzichten, weil wir ein ungutes Gefühl haben? Wollen wir auf ein Bauchgefühl hören, wenn die Zahlen doch eine ganz andere Sprache sprechen?

Ich habe diese Fragen für mich mit Ja entschieden. Dabei gibt es kein klares Regelwerk, sondern die grundsätzliche Bereitschaft, jedes Projekt, jeden Vertrag, jede Vereinbarung so zu gestalten, dass ich mich damit wohl fühle. Ich bin ein schlechter Schauspieler, und wenn sich eine Sache für mich nicht richtig anfühlt, dann wird es früher oder später mein Gegenüber merken.

Ich spiele fair — und das erwarte ich auch von meinem Gegenüber. Ich habe mich noch nie um Geld gestritten. Ich habe in vielen Jahren Selbständigkeit noch nie erlebt, dass eine meiner Rechnungen nicht bezahlt wurde. Alle Konflikte, die aufkamen, wurden gelöst. Das war auch mal schmerzhaft, aber es war immer so, dass es ich danach gut schlafen konnte.

Einfach nur Glück gehabt? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Meine Arbeit basiert auf Vertrauen, der gute alte Handschlag gilt genauso viel wie ein Vertrag. Und sie basiert auf Moral. Gute, langfristige und finanziell lukrative Geschäfte sind nicht das Gegenteil von Moral und Vertrauen — sondern deren Ergebnis.

Das alles führt dazu, dass ich bessere, risikoärmere, spannendere Projekte mache und mit sehr viel weniger Arschlöchern arbeite. So macht Business ziemlich viel Spaß — und dafür bin ich gerne bereit, auch mal auf etwas mehr Geld zu verzichten.

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